Die Vereinsgeschichte - Seite 3

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Vorstände, Schriftführer..2
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Der Bienenzucht- und Obstbauverein Traunstein und Umgebung hielt am letzten Sonntage im Auwirtsaale seine diesjährige Generalversammlung ab, welch besonders von auswärts sehr gut besucht war. Es hatten sich etwa 50 Mitglieder der Umgebung eingefunden, ein Zeichen, welch hohes Interesse der edlen Sache gewidmet wird. Es folgte zunächst Vorstandschaftswahl und Vorlage der Rechenschaftsberichte, weiter ein lehrreicher Vortrag des Herrn Assistenten Brux der kgl. Kreiswinterschule dahier über Obstbaumanpflanzungen und Obstbaumpflege und dann Verlosung von obstbaulichen und bienenwirtschaftlichen Gegenständen an die Vereinsmitglieder. Aus der Mitte der Versammlung wurde die Anregung gegeben, für etwa Anfang September hier eine Lokalvereinsausstellung von Musterobst und der Obst gewonnen Produkte, nebst solchen aus dem Bereich der Bienenwirtschaft zu veranstalten, und rechtzeitig zur Besprechung und Detailierung dieser gewiß nützlichen Sache etwa im August eine eigene Versammlung einzuberufen. Interessenten seien heute schon darauf aufmerksam gemacht, und gebeten, allenfallige Beteiligung dem Verein gelegentlich bekannt zu geben..

Für Wirbel sorgte 1910 die Verlegung der Saline nach Reichenhall, dadurch verlor der Verein  einige tatkräftige, auch in der Vorstandschaft wirkende Mitglieder. Aber für tatsächliche Aufregung sorgte das bereits 1908 vom Reich beschlossene Vereinsgesetz, das in der Herbstversammlung 1910 publik wurde.

Hier hieß es, nach Prg. 3; Satz 333:
Jeder Verein muß nach den Distriktpolizeibehören ein politisches Verzeichnis führen,
außerdem besteht die Pflicht, nach Art. 129 die Gründung und jede Veränderung,auch
die Vorstandschaft, bezüglich ihrer Zwecke bei der vorgefaßten Polizeibehörde zu melden.
Für den Bienenmeister Mathias Weber kam die Salinenverlegung gerade recht,  er kündigte aus diesem Grunde seine Tätigkeit in der Vorstandschaft.

Für den jungen Verein bedeutete dies:
Der Verein existierte quasi nicht, die Versammlungen waren nicht mehr  erlaubt
Die derzeitige Vorstandschaft war folgedessen rechtlich nicht anerkannt.


Daraufhin erfolgte im Oktober 1911 die offizielle Eintragung des Vereins ins kgl. Amtsregister, um etwaige politische Aktivitäten zu kontrollieren, der Verein erhielt den Zusatz e.V. Die Vorstandschaft neu gewählt.

Die 88 Mitglieder, darunter hauptsächlich Offiziere, Polizeibeamte, Salinenangestellte, Geschäftsleute Gutsbesitzer und Bauern wählten Hauptmann a. D. Adam Herbst zum ersten Vorstand. Polizeioberwachtmeister Johann Popp wurde Schriftführer und zweiter Vorstand. Schatzmeister wurde der gräfl. Förster i.R. Anton Rischbeck, als Ausschußmitglieder wurden Karl Schmid (Eichmeister), Mathias Weber (kgl. Waagmeister), Anton Eisele (städt. Betriebsleiter) und Leonhard Sterzer gewählt.

Die Vorstandschaft setzte sich aus ”Gartlern” zusammen. Johann Popp referierte in jeder Versammlung, nicht nur in Traunstein, über den Nutzen der äußerst wichtigen Haftpflichtversicherung für Imker. Anfangs interessierte man sich noch für diese Informationen, Vorträge über Bienenzucht wurden leider kaum mehr gehalten.
Für die nächsten Jahrzehnte liegen kaum Aufzeichnungen, Mitgliedslisten oder Protokolle vor.
1912 und 1913 erfolgten zwei extrem schlechte Honigjahre. Der Traunsteiner Imker Karl Schmid aus der Sonnenstraße benötigte im Herbst 1913 für seine Kundschaft dringend Honig, deshalb inserierte er im Münchner Bienenblatt:

Obst- und Beerenpresse, fast neu für 40 Pfd. Honig
fast neues Motorrad gegen 4 Ztr. Schleuderhonig

Mitunter waren die schlechten Honigjahre wohl auch ein Grund für das gewaltige Schrumpfen des Vereins, hinzu kam der Ausbruch des ersten Weltkriegs, die überalterte Vorstandschaft trug wohl ihren Teil auch dazu bei. Problematisch war die Versorgung mit Bienenfutter. Der Verein mußte steuerfreien Zucker beantragen, das hieß Bienenvölker zählen, Mitgliedslisten führen, Formulare ausfüllen und Anträge stellen. War hier das Interesse auf Seiten der ”Gartler - Vorstandschaft” überhaupt da?